Seit Donald Trumps Amtsantritt als US-Präsident vergeht kaum ein Tag, an dem nicht „News“ aus den Vereinigten Staaten unsere Nachrichtenkanäle verstopfen. Während die Nachrichten in Deutschland bestimmt sind von seinen außenpolitischen Kapriolen, geht der Umbau des Landes durch ihn und die rechtskonservative MAGA-Bewegung in atemberaubendem Tempo voran.
Wie schlimm es um die USA tatsächlich steht, untersucht nun eine Ausstellung im Kulturzentrum im Eurobahnhof (KuBa). Kuratiert wird sie von der Künstlerin Anne-Marie Stöhr, die 17 Jahre in Kalifornien lebte und bis heute hervorragende Kontakte zu Kunstschaffenden in die Bay Area rund um San Francisco pflegt.
Stöhr ist ein Coup gelungen. Auf den wenigen Quadratmetern der Galerie im KuBa hat sie den verstörenden Kosmos der aktuellen US-amerikanischen Politik ausgebreitet und das Gefühlsleben der Künstlerinnen und Künstler offengelegt. 46 Grafiken, Gemälde, Objekte und Videos von 20 Kunstschaffenden hat sie zusammengetragen.
Der Ausstellungstitel hätte in seiner Doppeldeutigkeit kaum treffender gewählt sein können. „Wow. What a shit show“ könnte man als Ausruf Trumps angesichts der Ausstellung deuten. „Was für eine beschissene Ausstellung“. Der Terminus „shitshow“ steht im Englischen aber auch für ein chaotisches Ereignis oder eine Katastrophe. Und das trifft die Situation doch sehr gut.
Wie fühlen sich die Kunstschaffenden in den Vereinigten Staaten gerade? Stöhr erzählt: „Die Künstler fühlen sich isoliert und wollen nach außen gehen. Sie möchten, dass wir sehen, was gerade los ist.“ Schon die erste Amtszeit Trumps sei für viele eine traumatische Erfahrung gewesen, aber nun sei alles noch viel schlimmer und das Tempo des Umbaus von Staat und Gesellschaft atemberaubend: „Per Dekret regiert Trump durch. Hilfsprogramme werden gestoppt, Kunst und Universitäten drangsaliert und die Klimaforschung einfach beendet. Inzwischen ist nahezu jeder Lebensbereich von Trumps Politik erfasst.“ Besonders dramatisch sei inzwischen die Spaltung der Gesellschaft, so Stöhr.
Die Ausstellung führt dies deutlich vor Augen. Los geht es schon im Treppenhaus mit einer Arbeit der Konzeptkünstlerin Michele Pred, die „verbotene Wörter“ an die Fassade des Guggenheim Museums projizierte. Es sind Wörter, die staatliche Stellen nicht mehr benutzen sollen: Rassismus, Diversität, Trauma, Gleichheit oder Gender gehören dazu.
Besonders eindrücklich sind die Arbeiten von Kal Spelletich, der sonst aus Maschinen und Robotern komplexe Kunstwerke baut. In der Ausstellung ist er aber mit mehreren Videoarbeiten vertreten, die das ganze Elend US-amerikanischer Politik offenbaren. Spelletich hat die Telegram-Kanäle von Trump-Anhängern gehackt und deren Videos vom Sturm auf das Capitol zu einem sechsstündigen Film zusammengeschnitten. Noch bedrückender ist ein Zusammenschnitt von Szenen, welche brutale Verhaftungen von illegalen Migranten durch die staatliche Behörde ICE zeigt.
Stark sind die Arbeiten von Enrique Chagoya, der zu den bekanntesten Ausgestellten gehört. Er ist mit einer Radierung vertreten ist und einer Farblithografie, in der er den Kopf eines Maya-Mädchens mit aztekischem Kopfschmuck auf den Körper von Comic-Held „Captain America“ setzt. Ein Hinweis auf die Bedeutung der Einwanderer für das Land.
Die ohnehin schon schwierige Situation für Kunstschaffende hat sich unter Trump weiter verschlechtert. Nun müssen sie nicht mehr nur um ihre finanzielle Existenz kämpfen, ihre Arbeit ist unmittelbar bedroht. Kuratorin Stöhr bat alle Künstlerkollegen um ein Videostatement zu ihrer Kunst, einige wollten sich jedoch nicht äußern. Zu groß war die Angst vor Repressalien.
Diese dürfte auch Heather Wilcoxon zukünftig fürchten. Umso mutiger sind ihre Zeichnungen als unmittelbarer Ausdruck ihrer Wut, wenn es um Trump und dessen Turbokapitalismus geht. Auch John Casey arbeitet sich zeichnerisch an Trump ab und macht ihn zum pickelgesichtigen Kapitalisten mit Dollarzeichen in den Augen.
Die aus Deutschland stammende Ulrike Palmbach zeigt Linolschnitte älteren Datums, die aktueller denn je wirken. In „The Party is over“ steckt ein Fischgerippe in einem nahezu leeren Whiskeyglas und in „Worried Man“ versucht eine schemenhaft angedeutete Person vor einer roten „Wolke“ zu fliehen. Das Werk entstand 2023 und ist als Fanal einer heraufziehenden Gefahr lesbar.
Die Ausstellung ist wunderbar gelungen. Wieder einmal beweist Stöhr, wie klug sie kuratieren kann. Diese Schau verlässt niemand mit einem guten Gefühl, weil die gezeigten Werke ausnahmslos verdeutlichen, wie ernst die Lage in den Vereinigten Staaten ist.
„Wow. What a shit show.“ bis 19. Dezember 2025, Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken