Den Ausstellungstitel darf man wörtlich nehmen. „Into the dark“ (dt. „In die Dunkelheit“) entführt uns in den abgedunkelten Raum des Wechselausstellungspavillons mit schwarzen Wänden und zugleich in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele. Das fehlende Licht ist den empfindlichen Zeichnungen und Grafiken geschuldet, welche Kuratorin Jane Schmidt-Boddy aus den Depots des Saarlandmuseums in der Modernen Galerie zusammengetragen hat. In acht Kapiteln zeigt die Kuratorin über 100 Werke und erweist sich immer mehr als personeller Glücksfall für das Museum, weil ihre Ausstellungen immer wieder kleine Höhepunkte im Ausstellungsreigen des Museums sind.
Ihr sei schnell der dunkle Charakter vieler Grafiken aufgefallen, als sie sich in der Sammlung umgeschaut habe, so Schmidt-Boddy. Und tatsächlich sind viele Arbeiten düster. Angst, Tod, Krankheit, Krieg und menschliche Abgründe sind die vielfältigen Themen der meist schwarzweißen Arbeiten. Werke von Alfred Kubin, Max Klinger und Edvard Munch bilden den Kern der Ausstellung. Allen dreien gemeinsam war die leidenschaftliche Abarbeitung an der dunkeln Seite der menschlichen Existenz. Da ist etwa Max Klingers Serie „Der Handschuh“ (1881), in welcher der Künstler die Geschichte eines verlorenen Handschuhs erzählt und in eine surreal-träumerische Bildfolge einbettet.
Genauso eindringlich ist Kubins Mappe mit zwölf Blättern, die nach dem Herausgeber Hans von Weber benannt ist. Von der Geburt, bei der ein krebsähnliches Wesen Babys aus dem Meer fischt, über Angst, Krankheit und Hunger bis zum Krieg, sieht Kubin das Leben als eine Abfolge von schrecklichen Ereignissen, die mit der „Todesstunde“ enden, bei der ein Zeiger den Kopf abschlägt.
Und Käthe Kollwitz‘ Zyklus des „Bauernkriegs“ führt uns zeitlos die Schrecken des Krieges vor Augen. Dazwischen immer wieder Highlights, wie etwa „Todeskampf“ von Félicien Rops, die düsteren Werke James Ensors oder Odile Redons Grafik „Der einsame Gott, in dem der Schöpfer einsam sinnierend in einem Talkessel sitzt. Otto Dix nimmt es, wie so oft, mit Humor und stellt in einer Serie Artisten in absurd-abgründige Situationen mit sozialkritischem oder politischem Hintergrund.
Die wenigen Wandtexte und eher vagen Kapitelüberschriften öffnen subtile Assoziationsräume, die unser Denken anregen und den Gruselfaktor nur erhöhen. Nicht selten fühlt man sich berührt, selbst die Liebe scheint den Künstlern wenig Halt gegeben zu haben. Die Frau wird als Verführerin wahrgenommen, die das männliche Geschlecht in Versuchung führt und Ängste schürt.
Bülent Gündüz
Into the Dark, bis 4. Januar 2026, Moderne Galerie, Saarbrücken