Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) stellt die kulturpolitischen Leitlinien beim 5. Kulturgipfel Mitte Dezember 2025 vor. Foto. Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes
Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) stellt die kulturpolitischen Leitlinien beim 5. Kulturgipfel Mitte Dezember 2025 vor. Foto. Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes
15. März 2026

Politik und Kulturschaffende erarbeiten kulturpolitische Leitlinien

Im Dezember 2025 veröffentlichte das Ministerium für Bildung und Kultur seine "kulturpolitischen Leitlinien". ein guter Anfang, der nun aber schnell mit Leben gefüllt werden muss.

Die Zahlen sind beeindruckend. Im Jahr 2023 waren laut Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie rund 2 Mio. Menschen in Deutschland in der Kreativwirtschaft beschäftigt. Die Bruttowertschöpfung der Branche betrug 123,2 Mrd. Euro, der Umsatz mehr als 204 Mio. Euro.

Die Bedeutung der Kreativwirtschaft für das Land ist aber bedeutend größer, denn Kunst und Kultur sind gerade in schwachen Regionen ein bedeutender Standortfaktor. Wer möchte schon aus Berlin oder München in das kleine Saarland umziehen, wenn er hier nicht Museen und Theater besuchen kann, Konzerte genießen oder Lesungen lauschen? Und auch der Tourismus gewinnt, denn Städte- und Kulturreisen liegen im Trend, die Kultur wird auch hier immer bedeutender.

Noch immer beschränkt sich Kulturpolitik meist auf das Verteilen von wenig Geld auf viele Protagonisten. Sie sollte aber Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich Kreative frei entfalten können. Mit den Mitte Dezember 2025 beim 5. Kulturgipfel veröffentlichten „kulturpolitischen Leitlinien“ hat das Saarland sich nun einen kulturpolitischen Rahmen gegeben. In einem partizipativen Format mit Dialogforen, Workshops und Runden Tischen tauschten sich drei Jahre lang Kunst- und Kulturschaffende mit der Politik über Herausforderungen und Möglichkeiten der Kultur im Saarland aus.


Entstanden ist ein Kompass mit zehn Leitlinien. Kritiker monieren, dass diese viel zu oberflächlich formuliert sind und konkrete Maßnahmen nicht festgelegt wurden. Das ist richtig und ein Manko des Papiers, nichtsdestotrotz legen die Leitlinien erstmals in der saarländischen Kulturpolitik Rechte und Pflichten fest und definieren Ziele, darunter eine proaktive Kulturpolitik, den Ausbau des Dialogs zwischen Politik und Kulturszene, die Verbesserung der Sichtbarkeit der Kultur im Land, die Verankerung kultureller Bildung oder die Bedeutung der Breitenkultur.

Das alles ist wichtig und richtig, wird sich aber daran messen lassen müssen, wie es in den nächsten Jahren mit Leben und konkreten Maßnahmen umgesetzt wird. Vieles ist schon gelebter Alltag. So funktioniert die Kommunikation zwischen Politik und Kultur vorbildhaft, ein offenes Ohr ist im Ministerium immer vorhanden. Man mag das für selbstverständlich halten, ein Blick in andere Bundesländer zeigt aber, dass dem nicht so ist.

Trotzdem fehlt dem Papier der Mut und es scheint vor allem auf die Bedürfnisse der freien Szene ausgerichtet zu sein. Das kleine Saarland böte aber gerade aufgrund seiner Größe, der kurzen Wege und der engen Netzwerke herausragende Möglichkeiten, Neues auszuprobieren. Dringend geboten wäre etwa die Neuordnung der saarländischen Museenlandschaft oder der Ausbau der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich der Kultur. Nirgendwo leichter lassen sich Strukturen überarbeiten und neue Ideen erproben.

Erste Verbesserungsvorschläge des Kulturgipfels sind zaghaft. So soll es Fahrkostenzuschüsse für die Schulen geben, damit diese Theaterstücke besuchen können. Außerdem verspricht die Landesregierung die Unterstützung einer neuen digitalen Plattform, die Kulturakteuren die Möglichkeit zur Veröffentlichung von Informationen zu ihren Veranstaltungen geben soll. 

Die kulturpolitischen Leitlinien finden sich unter www.saarland.de/kll.

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