Juliana Hümpfner, 2026
Juliana Hümpfner, 2026
28. September 2026

Bewegende und bewegende Kunst 

Das saarländische Künstlerhaus zeigt drei sehenswerte Ausstellungen mit Objekten, Gemälden und Videoprojektionen. Immer im Mittelpunkt: der Mensch.

Endlich, möchte man jubeln, zeigt die Malerin Juliana Hümpfner wieder aktuelle Arbeiten in einer Einzelausstellung im Saarland. Die letzte liegt schon einige Jahre zurück. Umso schöner ist es nun, den Arbeiten Hümpfners wieder einmal zu begegnen. Ihrem Stil ist die aus Baden-Württemberg stammende Künstlerin treu geblieben. Ihre meist als Porträts ausgeführten Gemälde sind intensive Studien des menschlichen Seelenlebens. Auffällig und charakteristisch für Hümpfner sind die breiten, kurzen Pinselstriche, aus denen sich die Gesichter zusammensetzen.

Mit groben, stakkatohaft gesetzten Pinselstrichen in gestischer Ausführung bringt die Künstlerin menschliche Empfindungen in die Gesichter. Hümpfner schafft keine bloßen Abbilder der Realität. Sie legt Emotionen und Gefühle wie Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung und Erschöpfung wie Seelenlandschaften auf die Porträts. Dies wird durch die Haltung der Personen unterstützt, die mal den Kopf hängen, dann wieder ermattet in den Nacken fallen lassen. Manchmal senken sie den Blick, andere  mustern den Betrachter mit traurigen Augen. Manchmal ist es ein flehentlicher Blick in den Himmel.

Der Malprozess bleibt für den Betrachter sichtbar und nachvollziehbar. Er legt das Suchen, Verwerfen und Finden des „perfekten” Pinselstrichs offen dar. Selbst in den Bleistiftzeichnungen beweist Hümpfner einen eigenen Stil. Mit wenigen Linien und schraffierten Flächen bannt sie Gesichter auf Papier. Hier ist es der nervöse Bleistiftstrich, der sich scheinbar tastend auf dem Papier vorwärts bewegt, bis die Form steht. Das ist ebenso wunderbar wie einzigartig.

Die aktuelle Ausstellung im Künstlerhaus beginnt jedoch bereits im ersten Raum mit Thomas Behling. Der in Berlin lebende Künstler hat an der FH Ottersberg und der HfK Bremen studiert. Behling arbeitet vorwiegend als Objektkünstler mit starkem Bezug zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen. Dafür bedient er sich längst überkommener Bildformen, um aktuelle Zustände zu kritisieren. Immer wieder kratzt er an unseren Denk- und Verhaltensmustern, von denen wir wissen, dass wir sie ändern müssten, die wir aber nur schwer ablegen können.

Eine anrührende Arbeit ist „Deutsche Kolonien I“, in der Behling Bananen-Aufkleber in einen alten Sammelbogen afrikanischer Briefmarken aus der Zeit des Nationalsozialismus einklebt. Es ist ein Denkanstoß zum Kolonialismus und zur bis heute anhaltenden Ausbeutung des Globalen Südens. Oder wenn er Briefmarken aus Hitlerdeutschland in den Regenbogenfarben zusammensetzt. Aus den Arbeiten spricht nicht selten ein bitterböser Sarkasmus oder ein feiner, hintergründiger Humor. Ein Beispiel ist die oft hasserfüllte Kritik an Bündnis‘90/Die Grünen und den Klimaaktivisten. Im Stil des Sozialistischen Realismus prangt da unter der Überschrift „Die grüne Gefahr“ in scheinbar kyrillischen Lettern der Spruch: „Unsere Art zu denken und zu handeln ist in Gefahr: Klimaterroristen wollen den Planeten retten.“ Im Bildzentrum ist eine Kriegssituation mit voranschreitenden Soldaten zu sehen, die statt des roten Sterns einen grünen tragen.

Der Ausstellungsparcours geht weiter mit Berit Jäger im Studio und im Studioblau. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Überall ist Bewegung, überall laufen Videoprojektionen. Die Installationen sind ein Gesamtkunstwerk, das den ganzen Raum bespielt. Jäger vereint in ihren Arbeiten Video, Ton, Bild und kinetische Objekte zu raumfüllenden Werken. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Mensch als anonymisiertes, grünes Wesen, das Antrieb maschineller Abläufe ist. Der menschliche Körper verschwindet dabei. Dies lässt sich vielseitig interpretieren. Zum einen ist der Ursprung jeder Maschine ein Mensch. Das maschinelle Ungetüm muss erdacht, gebaut, betrieben und gewartet werden. Zugleich ist der Mensch aber auch im maschinellen Betrieb gefangen, der unseren Fortschritt bedingt und mitgeschaffen hat. Jäger ergänzt diese Videos mit plastisch-skulpturalen Objekten, die auf die Videos projiziert werden. Dadurch erhalten sie eine zusätzliche Tiefe und Dimension. Das macht große Lust zum Schauen und Nachdenken. Sattsehen kann man sich hier kaum.

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