Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Nixdorf/Saarländisches Künstlerhaus
Blick in die Ausstellung, Foto: Bernd Nixdorf/Saarländisches Künstlerhaus

Viel Schönes im Künstlerhaus

Das Saarländische Künstlerhaus kriegt mit „Jamboree“ eine Mitgliederausstellung und überzeugt mit einem großen Reigen zeitgenössischer saarländischer Kunst. 

„Jamboree“ nennen die Mitglieder des Saarländischen Künstlerhauses ihre aktuelle Ausstellung. Das Wort bezeichnet ein Pfadfindertreffen, bei dem alle vier Jahre Pfadfinder aus aller Welt zusammenkommen. Zweifellos sind Künstlerinnen und Künstler Pfadsuchende und im besten Falle zeigen sie uns auch Wege auf. Für Frauke Ehrhardt hat das Künstlerhaus einen Gang in die Innereien des Hauses freigelegt. Im Keller bespielt sie einen sonst verschlossenen Korridor mit einer grandiosen Arbeit. Kleine Motoren bringen vier Zollstöcke zum Vibrieren und Klappern. Der banale Alltagsgegenstand wird zum klingenden „Instrument“, das allein durch die unterschiedliche Auffaltung jeweils andere Geräusche von sich gibt. 

Apropos Zollstock: Mitglieder des Saarländischen Künstlerhauses sind auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich in diesem Jahr mit dem Motto „Metermaß“ an der Ausstellung beteiligen. Leider sind viele nur auf die Idee gekommen, das Handwerksgerät mit Sätzen zu beschriften. Wohltuend anders ist Bernd Nixdorfs Arbeit. Der hält sich in Länge und Maß zwar an die Vorgabe, interpretiert aber ansonsten frei in einem Werk aus einem Stück Stahlband in Schwarz mit weißer Aufschrift und Platine. „Code of Life“ nennt Nixdorf die Arbeit inoffiziell, deren Oberfläche die Worte Time, Process, Memory, Exist und Exit trägt. Eine Arbeit, die zum Nachdenken anregt, was das menschliche Leben ausmacht.

Überraschend ist Ingeborg Knigges Arbeit. Die Fotografin ist vor allem für ihre tagebuchartigen Aufzeichnungen bekannt, in denen sie ihren Alltag dokumentiert. Weniger bekannt dürfte sein, dass Knigge seit Jahren emsig allerlei Dinge sammelt, die sie findet. In der Ausstellung zeigt sie nun eine Auswahl ihrer Fundstücke, die sie zu einer surrealistischen Landschaft kombiniert hat. Im Zentrum thront ein durchsichtiger Sarkophag mit Symbolen des Glücks. Man könnte stundenlang davorstehen, schauen und sich Geschichten ausdenken.

Auch Anne-Marie Stöhr überrascht. Die Malerin arbeitet viel mit farbigen Tuschen auf Yupo-Papier aus Polypropylen. Dieses Mal hängt sie die Arbeit aber nicht einfach an die Wand, sondern setzt das synthetische Papier Hitze aus. Das Material brennt nicht etwa einfach ab, sondern verhält sich wie Plastik. Die Wärme schmilzt Löcher in den Bildträger, der sich biegt und wellt. So entstand eine plastische Arbeit, die sich in den Raum hebt. 

Armin Rohrs aktuelle Arbeit ist noch beunruhigender als sonst. Hatte Rohr in einer seiner bedeutendsten Werkreihen Szenerien gemalt, in denen Menschen schemenhaft in Landschaften gruppiert sind und scheinbar banale Dinge verrichten, sind diese nun verschwunden. Hatte man vorher schon oft ein mulmiges Gefühl bei den Gemälden, verunsichert die Ansicht von Häusern nun nur noch mehr. Zumal der Weg zu der Siedlung den Malgrund offenlässt. Der düstere Himmel lässt nichts Gutes ahnen. Mindestens genauso gruselig gut ist Petra Jungs „Walkabout“. Die Künstlerin hat aus Haaren Stiefel geformt und an einen Ast hängt. Das filigrane Material lässt die Schuhe wie eine ferne Erinnerung oder Spur an einen Menschen erscheinen.  

Eine wunderbare Arbeit stammt von Véronique Verdet. Die hat auf eine große Papierbahn vergrößerte Nahaufnahmen von schemenhaften Tonfiguren abgelichtet und diese mit einer Ansammlung von schwarzen Punkten umrahmt. Damit vereint sie zwei Werkreihen. Zum einen sind da in „Emportée par la foule“ (dt. „Von der Menge mitgerissen“) die „Punktbilder“, eine Reihe von Arbeiten aus Pünktchenwolken, und eine Installation aus Tonfiguren. Durch die Unschärfe der Aufnahme und die Vergrößerung scheinen sich die Figuren aus dem Bild zu wölben. Erfreulich auch, mal wieder eine Arbeit von Maja Andrack zu sehen, die gerade frisch zur Vorsitzenden des Künstlerhauses gewählt wurde. Andrack reagiert in den mehreren Pastellkreidearbeiten auf ein Videostill von einem Hochsprung und vergrößert die Farb- und Formvielfalt des Ursprungsbildes so stark, dass daraus etwas Neues entsteht, was zum Hinschauen zwingt und gefangen nimmt.

Über 50 Künstlerinnen und Künstler stellen im Saarländischen Künstlerhaus aus. Nicht alles kann überzeugen, aber da ist viel Spannendes dabei. Die Präsentation war allerdings schon mal besser und wirkt etwas inkonsequent und unharmonisch. Vielleicht ist es einfach ein bisschen viel Kunst auf einmal für die doch beschränkte Ausstellungsfläche. Macht aber nichts, sehenswert ist „Jamboree“ allemal.

„Jamboree“, Mitgliederausstellung des Saarländischen Künstlerhauses, bis 21. Mai 2023

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr. 
Der Eintritt ist frei.

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